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Unternehmen in Ostthüringen Es sind nicht nur die großen Namen, die die Unternehmerlandschaft in Ostthüringen prägen und ausmachen. Auch viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches für die Volkswirtschaft. Manchmal sind sogar heimliche Gewinner, sogenannte Hidden Champions, darunter. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. ?HEUTE: Die Matthias Wetzel Industriebeschriftungen GmbH in Jena

 

Von Peter Cott

Jena. Alles kann eine Gravur oder eine Beschriftung vertragen, was beständiger ist als Luft und Wasser. Das jedenfalls könnte man meinen, wenn man sich das Portfolio von Matthias Wetzels Unternehmen anschaut. Um die nach ihm benannte Industriebeschriftungs GmbH zu charakterisieren, nutzt der Geschäftsführer deshalb ein Motto und eine Philosophie. Letztere ist ernst gemeint, das andere eher humoristischer Art: „Bis auf Wasser, Luft und Rührei beschichten und beschriften wir fast alles“, sagt Mattias Wetzel lächelnd. Wie zum Beweis zeigt er auf einen Apfel mit dem Logo einer regionalen Tageszeitung. Beschriftungen seien eben ein trockenes Geschäft, mit dem nur wenige etwas anfangen könnten, meint der Geschäftsführer. Für eine Industriemesse sei er deshalb auf die Idee mit dem witzigen Motto und letztlich auch mit dem gelaserten Apfel gekommen. Um als kleine Firma aufzufallen, brannte er schließlich das Logo in die Schale und zeigte: Man kann wirklich fast jede Oberfläche beschriften. Dementsprechend breit aufgestellt liest sich auch die Verfahrens- und Produktpalette des Jenaer Unternehmens: Vom Lackieren und Gravieren angefangen, über Gleitschleifprozesse und Druckverfahren wie den Tampon- oder Siebdruck bis hin zu Pulverbeschichtungen und Laserbeschriftungen sorgt Wetzels Team für gutes Aussehen und Funktionalität bei Industrieprodukten. Zu seinen größten Kunden gehören beispielsweise der Zeiss-Konzern, die Jenoptik AG oder die Basler Vision AG aus Ahrensburg. Etwas exotischer daher kommen dann Kunden, die biometrische Daten für Scotland Yard oder US-amerikanische Skymarshalls erfassen, deren Scanner in Jena ihren letzten Schliff bekamen. Denn vor allem auf den Hightech- Bereich haben sich die Industriebeschrifter spezialisiert. Freilich könne man auch Kleinserien beschriften. Aber von Optik, Präzisions- und Medizintechnik sowie die Feinmechanik – all das also, was Jena stark gemacht habe – verstehe man das Meiste, sagt Wetzel. Zur Erklärung reicht er einen Objektivring weiter, der nicht nur durch Pulverbeschichtung ein edleres Äußeres erhalten hat, sondern auch durch reflexmindernde Lacke im Inneren vor Streulicht geschützt ist. Darüber hinaus verraten filigrane Gravuren made in Jena die Brennweite und Blendenwerte der späteren Optik. „In diesen Bereichen sind wir zu Hause“, fasst Wetzel zusammen. Tatsächlich liegen hier die Ursprünge des Unternehmens. Denn 1999 startete Wetzel mit gerade einmal vier Mitarbeitern als Ausgründung von Carl Zeiss. Hier hatte er in den 80er Jahren den Beruf des Industriegraveurs erlernt und nun stand die Zeiss- Leitung vor ihm und zweifelte am Potenzial der Beschriftungsbranche. „Sie hielten es für einen reinen Dienstleistungssektor, den man in der heutigen Zeit zukaufen kann“, erklärt Wetzel, der eine zukunftsträchtige Herangehensweise vor Augen hatte. Da half nur Flucht nach vorn. „Ich wollte es anders angehen und aus Handwerk Industrie machen.“ Ganzheitliches Arbeit von der Auftragsabwicklung über die Produktion bis hin zur Entwicklung – so entstünde Mehrwert für Kunden. Dadurch ist das ehemalige Zeiss-Küken mittlerweile flügge geworden. Und selbst das einstige Nest am Beutenberg ist zu klein geworden. 160 000 Euro Jahresumsatz von einst sind auf 3 Millionen Euro angewachsen. Auch die Zahl der Arbeitsplätze hat sich mit aktuell 48 Mitarbeitern mehr als verzehnfacht. Seit Januar 2013 produziert Wetzel außerdem nicht mehr im Zeiss- Hauptwerk als Untermieter auf 2000 Quadratmetern Fertigungsfläche, sondern im neuen Firmengebäude auf dem Gewerbegebiet „JenA4. Hier stehen nun über 3500 Quadratmeter zur Verfügung und man wird „nicht mehr als Anhängsel wahrgenommen“. „Wir wollen Marke sein“, sagt Wetzel entschlossen. Und schließlich nennt der Geschäftsführer noch die eingangs erwähnte Unternehmensphilosophie: „Mit Fantasie, Wissen und Können wollen wir Werte erschaffen, die sichtbar, fühlbar und lesbar sind.“ Da wolle man gemeinsam hin, fügt er bekräftigend an. Mit dieser Losung möchte er seine Firma noch weiter nach vorn bringen. Bis 2019 gibt es konkrete Ziele: So will Wetzel beispielsweise den Umsatz weiter steigern. Auch die Zahl der Mitarbeit soll weiter wachsen und nicht zuletzt möchten die Jenaer ihre Material und Ressourceneffizienz 50 Prozent verbessern. Dass Matthias Wetzel ein Mann ist, der die Zukunft im Blick behält, bemerkt man schon beim Rundgang im Unternehmen, wo man neben drei Azubis auch auf drei Familienangehörige trifft: Ehefrau Annette und Tochter Stephanie arbeiten in der Buchhaltung, Sohn Stephan lenkt seit 5 Jahren als Fertigungsleiter die Geschicke im Tagesgeschäft. „Familienunternehmen haben historisch gesehen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft gebildet“, ist sich Wetzel sicher und will daran anschließen.

 

Quelle: Ostthüringer Zeitung • Seite 4 • Wirtschaft & Verbraucher OCWI 1 • Montag, 22. Februar 2016 › Link